20 Jahre Bergsteigen in Lübben
10
Jahre Regionalgruppe in der Sektion Bergfreunde Saar
Mai / Juni
2001
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der größte Teil der Gruppe ist auf diesem Bild zu sehen |
In
der Summe ein 30-jähriges Jubiläum ist wahrlich ein Anlaß zum
Feiern.
Historie
und wenig DDR-Geschichte ..
Seit 1973
bis 1981 fuhren einige Bergfreunde noch rein privat zum Bergsteigen in die Sächsische
Schweiz. Gleichzeitig bildete sich eine Gruppe Allgemeinsport im damaligen Deutschen
Turn- und Sportbund (DTSB). Die Mitglieder fanden sich zusammen aus Betriebskollektiven
und aus den Vorbereitungen von Betriebsfaschingsveranstaltungen. Wir wollten
einfach sportlich gemeinsam aktiv sein. Um einmal in der Woche eine Turnhalle
nutzen zu können, traten wir dem DTSB bei (organisiert war die Nutzung
kein Problem und zudem kostenlos). Kurz darauf sprach uns der DTSB an, eine
Sektion DWBO (Deutscher Verband für Wandern, Bergsteigen und Orientierungslauf)
zu gründen - Grund: diese Variante fehlte noch im Raum Lübben. Wir
machten einen Deal (ja,ja - so was ging auch schon in der DDR). Wir ignorierten
das Wandern und den Orientierungslauf und nannten uns dann ab 1981 fortan nur
Sektion Bergsteigen. Der DTSB war zufrieden, daß eine Sektion zum Thema
existierte (Statistik stimmte) und wir waren auch sehr zufrieden, kamen wir
doch in den Genuß der Förderung sowohl bei der Finanzierung (bis
2000 Mark/Jahr) als auch Beschaffung (organisiert war's einfacher) für
das Klettermaterial.
Unter diesen erfreulichen Umständen hatten wir unsere aktivste Kletterzeit
in den achtziger Jahren. Das Reisen war aus heutiger Sicht extrem billig - Sportgruppenantrag
ausfüllen und vom DTSB bestätigen lassen, dann kostete die Reise einer
ganzen Gruppe in die Sächsische Schweiz hin und zurück bei der Deutschen
Reichsbahn gerade mal einheitlich 13 Mark. Luxus jeglicher Art war für
uns kein Thema, wir wollten in die Natur - dort klettern und übernachten.
Alles was wir brauchten, war im Rucksack. - Übrigens übernachten,
wir nennen es boofen. Ich glaube dieser Begriff wurde im Sächsischen geprägt.
Boofen bedeutet übernachtem im Freien unter Felsvorsprüngen und ist
lange Tradition bei den Bergsteigern in Sachsen. Wir bestiegen in dieser Zeit
viele Gipfel allgemein im mittleren Schwierigkeitsgrad III, IV,V. Einige Wenige
kletterten auch im VII-er Bereich.
Bis Mitte der achtziger Jahre war in der Sächsischen Schweiz noch kein
Massentourismus vorhanden. Als Kletterer war man neben einigen Gleichgesinnten
noch relativ allein und eins mit der Natur. Bis dahin gab es auch keine wie
heute bekannten Reglementierungen durch diverse Institutionen - Klettern und
Übernachten in der Felsenwelt war Erholung pur, sauberes Verlassen der
Boofen Ehrensache.
Seit Mitte der Achtziger nahm der Massentourismus und damit die Belastung der
Bergwelt enorm zu. Die Wende verstärkte diesen Effekt noch (außer
dem kurzen Einbruch direkt danach, als alle erst mal die Alpen sehen wollten).
Teilweise sind die heutigen Restriktionen im Sinne des Naturschutzes einzusehen
- allerdings ist das Naturerlebnis auch nicht mehr das gleiche. Man hat heute
nicht mehr so stark das Erlebnis Teil der Natur zu sein, sondern eher das Gefühl
wie im Zoo auf zugelassenen Pfaden eine Besichtigung durchführen zu dürfen
- naja vielleicht übertreibe ich auch ein bißchen. An die Felsen
(außer den gesperrten) dürfen wir natürlich auch jetzt - auf
mit kleinen Richtungspfeilen ausgewiesen Zugangspfaden. Boofen ist fast nirgends
mehr erlaubt - also nachts in den Felsen am Lagerfeuer sitzen und hoch zu den
Sternen gucken ist "fast" nicht mehr.
Seit 1991 sind wir nicht mehr im DTSB sondern in der Sektion Bergfreunde Saar
als Regionalgruppe organisiert. Wie kam es dazu? Nach der Wende interessierten
uns natürlich auch die "großen" Berge. Uns war klar, das
es günstig wäre auf Erfahrungen derer zurückzugreifen, die schon
länger die Gelegenheit dazu hatten. Da es aber sicher von Ostsektionen
bestimmt viele Anläufe auf Alpensektionen geben würde, suchten wir
weiter nördlich. Wir kontaktierten Sektionen in Hamburg, Koblenz und als
Folge unserer Städtepartnerschaft mit Neunkirchen auch die Bergfreunde
Saar. Hamburg lief nicht so recht an, mit Koblenz hatten wir gute Kontakte aber
nachdem Heinrich, Waldemar und Edgar uns in Lübben besuchten war der Eintritt
in die Saarländer Sektion klar - und das ist nun auch schon 10 Jahre her.
.. und
heute
wir klettern
auch heute noch - aber unter dem Strich nicht mehr so viel. Bei vielen (nicht
allen) verschiebt sich die Aktivität Richtung Wandern. Es hat wohl auch
mit dem zunehmenden Alter zu tun, aber ich glaube ein wesentlicher Grund ist
auch der, daß heute jeder mehr oder weniger damit gestresst ist, irgendwie
Arbeit zu bekommen bzw. wenn vorhanden dieselbe nicht zu verlieren. Es gibt
gerade bei unseren männlichen Mitgliedern kaum jemand, der einen absehbar
sicheren Arbeitsplatz hat.Es gibt
aber auch erfreuliches: Unser Kletterfreund Torsten Müldener kommt mit
Familie aus dem Stuttgarter Exil zurück nach Lübben. Dadurch wird
unsere Gruppe vor Ort wieder gestärkt. Nach wie vor treffen wir uns jeden
Montag zum Sport in der Turnhalle. Schon seit längerem haben wir uns auf
Basketball spezialisiert - man kann so schön schwitzen und Spaß machts
auch.
Zum Jubiläum
hat Uli einen Abend im Bowlingzentrum in Lübben organisiert. Diavortrag,
Abendessen, Gruppenfoto (s.o.) und natürlich das Bowlen selbst machten
den Abend zum Erlebnis:
Nach diesem
Abend fuhren dann viele zum traditionellen Pfingstzelten nach Alt Schadow. Trotz
sehr durchwachsenem Wetter war es wieder voll lustig.
Wir blicken
doch etwas stolz auf die vergangenen 20 bzw. 10 Jahre zurück und freuen
uns auf den vor uns liegenden Zeitraum auch im Rahmen der Zusammenarbeit mit
unseren saarländischen Sektionsfreunden.
Berg Heil
Jürgen
Hoffmann
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